Hier mal ein Artikel über Neuweltkameliden aus der “Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz” . Das Werk erschien in mehreren Bänden von 1773 bis 1858. Damals sah man die Kameliden der “Neuen Welt” noch als Schafe an:
“Amerikanische Schafe.
Die Amerikanischen Schafe sind, einige Racen ausgenommen, Europäischen Ursprungs, das heißt, durch die Europäer nach jenem Welttheile verpflanzt worden; allein die Zucht dieser Thiere, hat in den südlichen Theilen dieses Welttheiles, z. B. in Westindien etc., nicht den gewünschten Fortgang gehabt, weil ihre Wolle in Haare ausartet, weshalb man auch die Europäischen Schafe, um Wolle zur Fabrikation zu gewinnen, nicht einführen kann. Daß man diese Versuche übrigens gemacht, erkennt man an den Ueberbleibseln der Merinofamilien, die man noch an manchen Orten in einem elenden Zustande antrifft. Zu den diesem Welttheile eigenthümlichen Schafen gehört:
Das Vigogne=Schaf, Ovis Padu, Camelus Vicuna, mit langem Halse, aufwärts stehenden, kleinen, glatten Hörnern, und langer feiner Wolle, Vigogne=Wolle genannt. Man findet es auf den Cordilleras, und im Winter auf den Ebenen von Chili; s. auch unter Kamel, Th. 33, S. 32 u. f.
Das Peruanische Schaf, das Peruanische Kamel, Erd=Schaf, Peruanisches Schafkamel; Ovis Glama oder Chama, Camelus Peruanus, in der Landessprache Pacos oder Huanca genannt, hat die Größe eines Hirsches, und sein Körper ist mit einer Art groben Wolle versehen. Das Fleisch hat einen vortrefflichen Geschmack, und ist so zart wie junges Hammelfleisch; s. auch unter Kamel, Th. 33, S. 26 u. f.
Die Schafe von Seara, einer Provinz in Brasilien, sollen nach Koster *
*Voyages dans la partie septentionale du Brésil, depuis 1809 jusqu’ en 1815 etc. Traduits de L’ Anglais par M. A. Jay. Tom I. à Paris. 1815. p. 270.
bis zum ersten <138, 608> oder zweiten Jahre nach ihrer Geburt mit einer sehr feinen Wolle bedeckt seyn, nach dieser Zeit soll diese ausfallen und durch eine Art Haare wieder ersetzt werden. Oftmals fällt die Wolle nicht sobald aus, in diesem Falle ist die Wolle kurz und grob; dagegen sagt der Oberst=Lieutenant Johann da Silva Feijo in einem kleinen, in Rio de Janeiro im Jahre 1811 ans Licht getretenen Werkchen „über die Schafe der Provinz von Seara”, daß die Schafe dieses Theiles des Landes eine Wolle lieferten, welche nach dem Ansehen von vorzüglicher Eigenschaft sei; sie sei im Allgemeinen sanft, glänzend, sehr kraus, lang und stark. Von dieser Wolle soll der Gouverneur von der Provinz Seara eine Probe nach England gesandt haben, die daselbst vielen Beifall erhalten hat. Nach Koster soll das Vließ die schon oben angeführte Eigenschaft, und das Fleische inen schlechten Geschmack haben, auch sehr schnell in Fäulniß übergehen. Der oben erwähnte Schriftsteller hat sich zu Jaguaribe und Itamaraka eine große Anzahl Schafe gehalten, wodurch er um so mehr in den Stand gesetzt ward, durch eigene Beobachtungen seine Anführungen zu bestätigen.”
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