Manchmal kann es ganz schnell gehen und schon hat sich selbst ein sonst nüchtern berichtender Zeitungsmensch verliebt! Doch wer kann auch schon Lamas oder Alpakas wiederstehen? Vor allem, wenn man ihnen zu tief in die Augen geschaut hat…
Veröffentlicht in der MAINPOST am 1. 4 2007 schildert Frank Weichhan seinen sehr persönlichen Eindruck von den europäischen Lama- und Alpakatagen in Dettelbach, organisiert und durchgeführt von AELAS e. V. :
Strammer Harzer mit Kuschel-Faktor
Codopaxi vom Harzerland ist ganz schlecht drauf. Wer lässt sich schon gerne überall hin fassen. Und dann das ständige Auf und Ab, nur damit die Prüfungs-Kommission ganz genau gucken kann. Fotografen sind natürlich auch da und blitzen einem ständig in Gesicht.
Da kann man als stolzer Lama-Hengst schon mal die Contenance verlieren und ein paar Bocksprünge hinlegen, die sich gewaschen haben. Wenn dann noch der Kollege vom Nachbar-Gatter meint, er müsse einem am Allerwertesten schnuppern, gibt das einen Fußtritt hinterher – damit die Fronten in der Dettelbacher Frankenhalle geklärt sind.
Aber es hilft ja alles nichts: Codopaxi vom Harzerland muss sich zeigen. Schließlich soll es ja mit den Frauen klappen. Nur ein gelungener Auftritt weckt Begehrlichkeiten und schafft Nachfrage in einem Bereich, der am Käfig des strammen Harzers so beschrieben wird: „Steht geeigneten Stuten zum Decken bereit.“
Während sich Codopaxi vom Harzerland langsam wieder beruhigt und die Prüfer den nächsten Hengst in Augenschein nehmen, geht es schräg gegenüber gelassener zu. Die Alpakas scheinen die Ruhe weg zu haben. Wirken Lamas vor allem majestätisch-unberührbar und so, als hätten sie den gesamten Vorrat an Anstand für sich gepachtet, lösen die kleineren Alpakas in erster Linie den Kuschel-Reflex aus.
Da möchte man gerne zwei von mitnehmen und nie mehr los lassen. Was allerdings neben einer Neubau-Wohnung vor allem daran scheitert, dass es unmöglich ist, sich für zwei Tiere zu entscheiden. Einen Schönheitswettbewerb durchzuführen ist jedenfalls ziemlich ungerecht – außer es dürften alle gewinnen.
Das soll allerdings die Lamas in keiner Weise zurückstufen – nur passen die dummerweise noch weniger in eine Neubau-Wohnung. Aber um den Tieren in ihre großen und verboten schönen Augen zu schauen – schon deshalb lohnte am Wochenende ein Abstecher in die Frankenhalle, wo der Münchner Verein Aelas seine europäischen Lama- und Alpaka-Tage durchführte.
Wobei es nicht ganz so europäisch zuging, die Hälfte der angemeldeten Tiere fehlte. Weil momentan die Blauzungenkrankheit ihr Unwesen treibt und Dettelbach am Rand einer Sperrzone liegt, wurde aus Sicherheitsgründen vor allem den Tieren aus Frankreich und Österreich sozusagen die Einreise verweigert.
Was zumindest einen nicht störte: Die fehlenden Konkurrenz ließ Codopaxi vom Harzerland um so mehr zum Chef im Ring aufsteigen. Und die Besucher bekamen trotz des halbierten Programms einen guten Einblick in die Lama-und-Alpaka-Szene: Dass die Tiere immer beliebter werden. Dass sie durch ihre ruhige Ausstrahlung bei bestimmten Krankheiten helfen können und zunehmend bei Therapien eingesetzt werden. Und dass es inzwischen Lama-Höfe gibt – die sich neudeutsch Ranch nennen – auf denen sich vergnügte Urlaubstage verbringen lassen.
Und bis es so weit ist, kann man sich als frisch gebackener Lama- und Alpaka-Fan an diverse Woll-Produkte halten. Zum Beispiel Alpaka-Strümpfe, selbstverständlich hautfreundlich und handwaschbar bis 35 Grad. Wahlweise auch Mützen aus Lamawolle. Oder Strickwolle, 100 Gramm für 8,40 Euro. Am allerbesten aber wäre ein Plüsch-Alpaka – auf dass der Kunddel-Reflex niemals aufhören möge.
Mehr über Lamas und Alpakas im Internet unter www.aelas.org
Die Bilder zu dem Artikel finden sich hier:
Wahre Lama-Größe.
Ganz nah ran: Auf Tuchfühlung mit einem Alpaka.
„Versuch mir doch mal auf den Zahn zu fühlen!“
Die möchte man vom Fleck weg mitnehmen.
Was guckst Du?