Schersaison auf der Traumweide
Jetzt im Frühjahr ist es wieder an der Zeit, dass die Alpakas und die stark bewollten Lamas von ihrer Last der wunderbaren Fasern befreit werden. So haben Jungtiere es wesentlich leichter, auf die Welt zu kommen und gleich die Milchbar zu finden. Sie müssen nicht erst verzweifelt an irgendwelchen Fasern , die vom Oberschenkel herunterhängen oder unterm Bauch herumbaumeln versuchen, Milch zu zapfen. Sie schonen ihre ersten Reserven und haben es viel einfacher, sofort an der Milchbar anzudocken. Auch die Hengste können so ohne “gekochte Eier” die Sommerhitze überstehen und genügend Spermien zur Fortpflanzung produzieren. Denn eben diese Spermien, sterben ab, wenn es ihnen zu heiß wird! Ebenso verringert sich die Verletzungsgefahr für die Hengste beim Deckakt immens, denn bei zu starker Bewollung, können sich auch schon mal diverse Faserteile um den rotierenden Penis verwickeln und an empfindlichster Stelle zu Abschnürungen führen, dem Hengst sogar bleibende Schäden zufügen!
Um all dem vorzubeugen und die Gefährdungen zu vermeiden, hilft nur eins: Runter mit der Wolle! Und zwar rechtzeitig im Frühjahr, denn bis zum nächsten Kälteeinbruch muß schon wieder soviel Faser nachgewachsen sein, dass die “Nackideis” nicht im Winter frieren!
Bei Romy Schmidt aus Oberwiesenthal gab es daher auch kein Zögern als es an die Schermesser geht, höchstens Aufregung pur, so berichtet jedenfalls die “Freie Presse” der “Annaberger Zeitung” vom 28./29. Mai 2005. Torsten Schilling, der Autor des Textes “Auf der Traumweide kommt keiner ungeschoren davon. Alpaka-Kamele in Oberwiesenthal müssen unters Messer”, erklärt dann auch mit einem Zitat recht schnell, woher die Aufregung bei dieser Aktion stammt: “”Das ist das erste Mal für uns”, sagt Romy Schmidt. Sie meint sich und die fünf Alpaka-Kamele, die auf der Wiese herumtollen.[...]Irgendwie scheinen sie zu wissen, dass etwas auf sie zukommt. “Kein Grund zur Aufregung”, sagt Bernd Schmid. [...] Sein bayrischer Akzent wirkt beruhigend…” Zusammen mit Josef Thöni aus Österreich haben sich die beiden Scherer auf Deutschlandtour begeben.
Weiter heißt es im Text: ” Die Wollflusen schweben durch die Luft. “Schafwolle fühlt sich im Vergleich zu Alpakawolle wie Sandpapier an”, sagt Fritz-Jürgen Hieke…”. Er ist der Lebensgefährte von Romy Schmidt und lebt mit ihr und “20.000 Forellen, 50 Schafen, 2 in Würde ergrauten Huskys und 2 Hasen mit ihren 8 Kindern” gemeinsam auf der Traumweide.
Dort kehrt nach der Scherprozedur dann wieder Ruhe ein, jedoch nicht für lange, denn: ” Zweimal in der Woche sind Kindergruppen bei uns”, erzählt Romy Schmidt. Auch ein Kindergeburtstag steht im Programm.”
Die Traumweide selbst, die Namensgeberin für die Farm war, ist mehr als 200 Jahre alt und dort an einem kleinen Teich zu sehen.
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